Noch dazu, wenn das 2004 von Königin Beatrix eröffnete und
von Rem Koolhaas entworfene Botschaftsgebäude an der einzigen Gracht der
deutschen Hauptstadt, der Friedrichsgracht, liegt, die im 17. Jahrhundert von
Ingenieuren aus Holland angelegt wurde. Am Dienstagabend (18.5.) stellte der
65-jährige Liedermacher dort mit einer Art „singenden Buchpremiere“ seine
Autobiografie „Bevor ich es vergesse“ erstmals in Deutschland vor.
Einige Passagen des Buches trug van Veen in Liedform vor,
begleitet von Gitarre, Geige und Schlagzeug und der musikalischen
Bühnenpartnerin Edith Leerkes. Botschafter Marnix Krop nannte van Veen einen
„der bekanntesten Liedermacher unserer Zeit“, in dessen Texten Menschlichkeit
und Moral den Ton angäben. „Seine Fangemeinde in den Niederlanden und in
Deutschland ist groß und wächst immer noch.“
Van Veen wird nicht müde, gegen die Ungerechtigkeiten der
Welt anzusingen wie auch die eigenen menschlichen Unzulänglichkeiten
augenzwinkernd zu beklagen. „Sag keine lieben Sachen an meinem Grab, sag sie
jetzt!“, heißt es da, und van Veen kommt auch immer wieder ins Philosophieren,
musikalisch begleitet mal lyrisch (sogar ein „Ave Maria“ im Knabensopran wird
angestimmt) oder eher kräftig und kämpferisch. „Sind wir Opfer des Schweigens
unserer Eltern und verantwortlich für die Unwissenheit unserer Kinder?“, fragt
der Sohn und Vater zwischendurch, um dann auszurufen: „Sing mit mir, schweig
mit mir, spring mit mir, tanz mit mir, kämpf mit mir - tu es jetzt!“ Die
geladenen Gäste in der Niederländischen Botschaft sind nahe daran,
aufzuspringen und mitzutanzen, belassen es dann aber bei einem stürmischen
Beifall.
Der in Utrecht geborene Liedermacher, von manchen auch eine
„mobile Zirkuskirche“ genannt, setzt sich seit Jahrzehnten auch als
UNICEF-Botschafter für die Kinder in aller Welt ein. Er erzählt in seiner
Autobiografie (übersetzt von Thomas Woitkewitsch) von den ersten Abenteuern
seiner Kindheit und in der Schule und berichtet von den künstlerischen Anfängen
Mitte der 60er Jahre mit dem „Cabaret Chantant Harlekijn“ sowie seinem
musikalischen Durchbruch 1973 mit der LP „Ich hab' ein zärtliches Gefühl“. Die
literarisch-musikalische Soiree in der Botschaft schloss van Veen mit den
Worten: „Wir sehen uns in zehn Jahren wieder, dann erzähle ich Teil zwei meiner
Autobiografie.“ Bis dahin geht er weiter auf Tour – „Ich werde im Amsterdamer
Carre auftreten, am New Yorker Broadway, im Pariser Olympia, in Brüssel und in
Berlin, Berlin...“, heißt es im Vorwort seiner Autobiografie.
© Die Berliner Literaturkritik, 20.05.10