Sonntag, 14. März 2010

Heute werde ich 65.

Früher fand man das steinalt.

65!

Dann war man beinahe schon tot,

betagt,

ein gebrechlicher Mann,

reif für’s Verschrotten.


Wie anders sich das anfühlt.


Alt ist die Frau,

die kürzlich in Leipzig

nach Ende unserer Vorstellung

in den 4. Stock

zum Plaudern kam 

und um ein Autogramm

für das Enkelkind in Frankfurt zu fragen.

95 Jahre war sie,

silberweiße Haare,

adrett zurechtgemacht,

schlank,

klar wie Wasser.

Sie machte ein Witzchen nach dem anderen.

“Gut, dann bis zum nächsten Mal.”, 

sagte sie zum Abschied

und stieg dann die 4 Treppen der Oper wieder hinab.

Wer will da nicht auch so alt werden?


Alt ist ein relativer Begriff.

Wer kennt nicht auch Menschen,

die mit 25 Jahren schon wie Greise sind,

die kaum Freude an ihrem Leben haben

und sich grübelnd durchs Leben schleppen?

Junge Menschen, 

die scheinbar  niemals Kind gewesen sind.

Erinnere mich an einen Klassenkameraden,

der als Berufssoldat

seinen Dienst tun wollte,

weil man bei der Armee

viel früher in Pension gehen durfte.


Ich fühl mich nicht alt.

Doch es stimmt, 

dass kein Ende abzusehen ist in meinen Erinnerungen.

Mit dem Verstreichen der Zeit

werden sie ständig präziser.


So erinnere ich mich an die Woche,

wie alt muss ich gewesen sein, 4 Jahre ungefähr,

als ich zum ersten Mal auf dem Rücken eines Pferdes sitzen durfte.

Auf dem Gaul vom Gemüsehändler.

Als mein Enkel diese Woche fragte,

ob er auf unser Pony dürfe,

hob ich ihn hinauf.


Und dabei kam mir das Bild

vom Gemüsehändler,

seinen Händen,

seinem Geruch,

auch der Rücken des Pferdes,

und dessen Mähne in den Sinn.

Als ob es gestern wäre,

konnte ich mit meinen Beinen fühlen,

wie das riesige Tier Atem holte.


Und gestern…

hab ich gut eine Stunde mit einem Mann gesprochen,

an dessen Namen ich mich weder erinnern kann,

noch an das, worum es in dem Gespräch eigentlich ging.

Montag, 8. März 2010

Morgen

Morgen gehe ich 

Fischen,

und schreibe ein dickes Buch

über Mädchen in der Renaissance.


Morgen werde ich

mähen

und ein Bild malen

über den Duft von Butterblumen.


Morgen werde ich

Rad fahren

und die Partituren

von Meister Bach studieren.


Morgen werde ich

dasitzen

und mir ein Traumbild starren,

ein Bild von Antilopen im Feld.


Morgen

ziehe ich die Garadinen auf,

seh dich mit dem Hund gehen,

die dicken Frühlingszweige,

die Vögel,

die Schafe im hohen Gras.


Morgen werde ich nach draußen gehen,

ohne Mantel,

und höre den Zug nach Utrecht,

wo ich einst,

als da noch Pferd und Wagen fuhren,

ein kleiner Frechdachs war.


Morgen werde ich singen

und eine Treppe zimmern,

werde über Meere fliegen

und morgen früh,

um viertel nach Sieben

ruf ich genau wie Dikkertje Dap:*

„Rat’ mal, was ich bekommen hab!

Dicke Flocken,

Gewitter und Regen,

und jede Menge Sonnenschein,

auch Morgen werd’ ich voll Staunen sein.“


*Dikkertje Dap ist eine Kinderbuchfigur, der weltweit bekannten niederländischen Kinderbuchautorin Annie M. Schmidt. In ganz Holland kennt man den kleinen Jungen Dikkertje Dap, der eine Giraffe zum Freund hatte und über den Herman van Veen einst das gleichnamige Kinderlied sang: Pummelchen Pit.

Montag, 1. März 2010

Glauben Sie mir

In der Lobby des stattlichen süddeutschen Hotels

warten in komfortablen Stühlen

einige Damen

auf mögliche Kundschaft.

Wie alt sie sind, ist nicht zu erraten.

Jede Zahl zwischen 30 und 60 könnte stimmen.

„Glauben Sie mir, die sind teuer.“,

erzählte mir der Taxifahrer noch gerade eben.


Ich kann mir nicht vorstellen,

dass die Frau, zu der ich jetzt schaue,

eine Hure sein soll.

Sie trägt ein dunkles Kostüm,

darunter eine leichte weiße Bluse,

hohe Absätze,

die Beine in durchsichtiges Schwarz gesteckt,

ihr Rock ist vielleicht etwas zu kurz.

Sie schlägt ihre Beine

ewig langsam übereinander,

beugt sich vornüber,

um etwas aus einem Schälchen zu nehmen.

Kurz sehe ich die Wölbung ihrer Brüste.

Als sie sich aufrichtet, sieht sie mich an

und lächelt.

Dann fegt sie mit ihrem kleinen Finger

ein freches Löckchen aus ihrer Stirn,

nimmt das Handy aus ihrem Täschchen

und beginnt mit jemandem zu sprechen,

der dafür sorgt, 

dass ihr wunderschönes Gesicht

ernsthaft schaut.


Ein Mann kommt durch die Drehtür in die Lobby,

sucht mit den Augen,

läuft vergebens eine Runde,

fragt die Frau im Kostüm gestikulierend,

ob der Stuhl neben ihr noch frei sei.

Sie nickt.

Er setzt sich.

Die Frau klappt das Handy zu,

der Mann spricht sie leise an.

Ich kann nicht hören, was sie sagen.

Verhandeln sie?

Nimmt er sie irgendwohin mit 

oder bleiben sie im Hotel?

Sie lachen.


Durch die Drehtür kommt jetzt ein Mädchen

mit einem Rucksack auf den Schultern.

In ihrer fröhlichen roten Jacke hüpft sie 

der Frau entgegen.

„Mama“, sagt sie

und danach etwas Unverständliches.

Die Frau steht auf,

nickt dem Mann zu,

zieht ihren Mantel an

und geht Hand in Hand 

mit ihrer Tochter aus dem Hotel.


Ich kann es nicht erklären,

aber etwas in mir 

ist erleichtert.

Montag, 22. Februar 2010

König Fußball

Die besten Spieler aus allen Staaten

und Königreichen

kommen in diesem Frühsommer

in das afrikanische Land,

um um die Weltmeisterschaft zu kämpfen.

Slums entlang der Straßen

sollen abgerissen werden, 

da das, so lese ich es in der Zeitung,

kein Anblick sei

und ja auch logisch war.

Fresser und Schläfer

nennen sie die unzähligen Seelen, 

die da unterschlüpfen

in oft nicht mehr oder weniger als Kartons,

die Nutzlosen in den Augen derer, 

für die es lediglich um Gewinn geht.

Darum müssen sie zu 

Hunderttausenden sterben.

Krankheiten, Hunger, Mord,

so war es, so ist es noch immer.


In Uniformen kamen Männer,

die schwarzen Kesen und die Jannen,*

mit Totschlägern und ohne Pardon.

Wie Hyänen mitten in der Nacht.

Und wer versuchte,

seine Habseligkeiten 

noch aus dem Haus zu holen,

den haben sie erschossen.

Die Kinder schrien,

Frauen weinten,

so lese ich es in der Zeitung.


Ich frage mich, 

kann man in einem solchen Land,

in dem tagtäglich noch

gut 900 Menschen 

allein an Aids sterben,

so ein Fußballfest feiern?

Spielen um das goldene Kalb,

gewinnen um jeden Preis,

während drumherum

Kummer um den Verlust herrscht?



* Kesen und Jannen, so nannte man einst die holländischen Einwanderer. Im Amerikanischen gibt es die Yankees = Jan Kees. In diesem Fall sind mit Jan und Kees die afrikaans sprechenden Nachfahren dieser Jannen und Kesen gemeint.

Montag, 15. Februar 2010

Der letzte Schnee

Auf der viereckigen Glasschale

liegen einmütig eine Mandarine, eine Birne, 

Weintrauben, ein Apfel und drei Schokoladenkekse.

Dazwischen sitzt ein weißes zusammengefaltetes Kärtchen,

auf dem steht, dass mich Ernst-Friedrich und Sylvia von Kretschmann

in ihrem kleinen, führenden Hotel ’Europäischer Hof’ in Heidelberg

herzlich willkommen heißen.

Fünf Sterne. Seit 1865. 

Das leckere Stillleben auf dem gläsernen Tisch 

verschwindet in meinem Magen,

begleitet von einem trockenen Riesling von Heppenheimer.


Heute Abend spielten und sangen wir

im wahrhaft prächtigen Kongresshaus

dieser jetzt verschneiten, berühmten deutschen Stadt

anlässlich des zweitältesten Chansonfestes Deutschlands,

bei dem ich die Ehre habe, Schutzherr zu sein.


Der weiße Wein zeigt allmählich seine Wirkung.

Als auch die Birne als letzte verschwunden ist,

sind meine grauen Zellen leicht benebelt 

und lassen mich das Leben etwas rosiger sehen.

Eine gewisse Milde bedeckt bange 

und glückliche Erinnerungen der letzten Zeit.

Im Nachgeschmack des Weines 

liegt so etwas wie ein zarter Frühling.


Etwas, das ich gestern auch entdeckte, 

als ich von zu Hause wegfuhr,

auf dem Weg, entlang der verschneiten Weiden.

Die Zweige werden unverkennbar dicker.

Wir werden es nicht aufhalten können.

Die Tage werden länger. Die Nächte kürzer.

Die Kälte zieht sich zurück.

Die Sonne macht sich auf,

um unsere Herzen zu erwärmen.

Und Ema ist schwanger.

Montag, 8. Februar 2010

Wie eine lebende Ansichtskarte

Sonnenstrahlen brechen

durch tiefhängende Wolken

und werfen ihr Licht

auf schneebedeckte Hänge.

Kinder rasen johlend

vor fröhlicher Angst

auf ihren knallbunten Schlitten

hinab

und kommen bei den hohen Tannenbäumen

zum stehen.


Zwei Rehe,

verfolgt von einem Dackel,

versuchen eilig im etwas höher gelegenen Wald

zu entkommen.

Tief unten im Tal

liegt die große Stadt

wie ein warmer Schal

um den jetzt eisigen See.

Geräusche von hupenden Autos und von Zügen

dringen hinauf zu meinem Fenster.


Auf der Fensterbank

liegen so fünf Zentimeter frischer Schnee.

Gerade war eine Taube zu Besuch.

Mit schrägem Köpfchen schaute sie herein

und blinzelte,

tippelte danach ein wenig hin und her

und flog schließlich davon,

ohne ein einziges Wörtchen zu gurren

oder mit ihrem Schnabel

ans Fenster zu ticken.


Es sieht so aus,

als ob ihre Fußabdrücke im Schnee

eine Zeichnung von einem Gesicht

hinterlassen haben.

Ein lachender Mann mit einem Bart.

Mit ein bisschen Fantasie

kann ich Sigmund Freud erkennen.

Was Tauben so alles auf dem Kasten haben!


Zufall oder nicht,

kurz darauf sehe ich in der Schweizer Zeitung

ein Foto von demselben Sigmund Freud.

Eingesetzter, streng schauender Mann.

Er starrt mich von dem Zeitungsblatt

mit fünf Kollegen an.

Ich probiere, so seriös wie möglich zurückzublicken.

Hab keine Ahnung, was die weisen Männer von mir denken.

Das kommt noch.


Schließlich können wir schon Schwarz-Weiß Filme

in Farbe übertragen.

Man braucht lediglich nur das Rot

einer Ampel einzufügen, um zu wissen,

welche Farbe alles andere hat. 

So wird es einst auch möglich sein,

Fotos bis zu einem gewissen Grade

zum Leben zu erwecken.

Wärme ist Energie.

Energie hat eine Farbe.

Wir wissen also durch die Grautöne,

woher die Männer auf dem Foto kamen

und wohin sie, nachdem das Foto gemacht wurde, wieder gingen.

Man kann dann demzufolge auch ein Foto

in ein zirka drei minütiges bewegtes Bild verwandeln.


Sigmund Freud runzelt nun die Stirn,

er kratz sich an seiner Schläfe.

Ich sehe ihn überlegen:

Welch ein Narr schaut mich hier an?

Dienstag, 2. Februar 2010

Guten Abend

“Guten Abend!“, 

sagt der Mann von der Tagesschau.


Erdbeben.

Verbindung zur Außenwelt abgebrochen.

Wir sehen eine Filmaufnahme.

Eine Frau ruft etwas in die Nacht.

Kein Mensch wird je wissen, was.

Die Nation ist geschockt.


Der nachfolgende Bericht.

Eine selbstgebaute Bombe in Afghanistan,

ein niederländischer Soldat

auf einem Fahrrad.

Anschließend etwas über Bankkartenbetrüger

und Junkies,

ein kurzer Bericht über Banken:

Alles ist unter den Teppich gekehrt,

die Würfel sind wieder einmal gefallen.


Ich habe eine Kerze brennen

und halte einen Moment inne

in der leeren Finsternis.

So ein Ding aus Wachs, 

das Linderung

für unsere Herzen bringt.


Bin nach Hause gefahren.

Alles dreht sich weiter.

Mühe, Zweifel, Ängste

es ist eine ewige Suche

nach Wärme und Zärtlichkeit.

Die Geschichte

ist leicht zu vorauszusehen.


Morgen beginnt es von vorn,

so als ob wir wüßten,

was zu früh oder zu spät ist.

Wir ziehen weiter mit dem Regen,

oder wir suchen Schutz

vor einem Wolkenbruch.


Und ein neuer verspielter Wind,

der mich viel Gutes hoffen lässt,

wirbelt durch den Garten.

Viele Tage, Sonnen, Monde,

Tiere im Regen,

Klee, Butterblumen.


Ruf mich an.

Maile mir.

Simse mir.


Ich vermisse dich.

Montag, 25. Januar 2010

Damals

Es ist nicht schwer,

die Geschichte vorherzusehen.


Vor einem Menschenleben

wurde der große Krieg

verloren und gewonnen.

Seither herrschte beinahe überall

Frieden

und es enstand, mit einigen Ausnahmen, 

allerorts ein demokratisches System.

Arme Menschen

aus warmen Ländern

flüchteten in Massen

in die neuen, reichen Länder

und waren willkommen.


Wie es genau passiert ist, weiß eigentlich niemand.

Über Nacht brach der Welthandel zusammen.

Millionen Menschen wurden arbeitslos.

Es enstanden Bewegungen,

die enttäuschte und wütende Bürger vertraten.

Wieder andere Gruppierungen

fauchten, mailten und fluchten 

ihre digitale Empörung ins World Wide Web.

Religöse Fanatiker verkündeten Hölle und Verdammnis

und steckten Häuser in Brand.

Verzweifelte Seelen sind gefährlich.

Die Flüchtlinge bekamen die Schuld.

Wütende Leute erhoben sich, 

Männer, die wußten,

so behaupteten sie jedenfalls,

wie man damit Herr werden könne.


„Sprichst du meine Sprache nicht, 

dann verschwinde von hier!"

"Glaubst du nicht an meinen Gott

dann sieh dich vor!"

"Trägst du nicht das, was mir gefällt,

dann bezahlst du dafür.”


Und viele von denen, die das Sagen hatten, dachten:

Ach, lasst die Leute nur machen und 

und brüllen, was sie wollen,

das wird von selbst wieder vorüber gehen.

Denn sie glaubten nicht an das, 

was vor gerade mal einem Menschenleben

geschah, 

damals 1910 und 1933.

Montag, 18. Januar 2010

Stein für Stein

Sie waren zu dritt,

zwei schwarze Männer und ein flämischer Theatermacher.

Wir trafen uns auf der sonnigen Terrasse eines „Gasthauses“

in Pretoria, Südafrika.

Sie wollten mit Edith und mir über einen Plan für Soweto,

dem größten ’Township’ des afrikanischen Kontinents sprechen.

Sie vertraten die Non-Profit Tsele Creative Society,

eine Theatergruppe, die sich vor allem

mit dem Erschaffen und Aufführen von erzieherischen Straßentheaterprogrammen

für und oft mit Kindern befassen.

Aufführungen in der afrikanischen Tradition

über alltägliche Geschehnisse

wie Vergewaltigung, Aids und Raubzüge.

Sie wollten auch bei miserablen Wetterverhältnissen spielen können.

Wollten einen Ort mit Dach,

einen Platz mit Mauern, ein Theater

und baten uns um finanzielle Unterstützung.

Wir machten einen Termin, um zu schauen,

wo so ein Saal hinpassen könnte.

Sie schlugen vor, sich in White City Jabavu zu treffen, 

einem Viertel in Herzen von Soweto,

da wo einst der schwarze Aufstand begann.

Wir versprachen einander,

das Theater zu bauen und nannten es ’The Miracle’.

Es sollte in dem schon bestehenden, gut geführten 

und sicheren Ipelegen Community Center entstehen.


Wir sind nun gut drei Jahre damit beschäftigt,

um die Dinge so gut wie möglich zu verwirklichen.

Das ist nicht einfach.

Das Hauptproblem ist nicht der Aufbau des Theaters.

Das Aufeinanderstapeln von Steinen ist eigentlich ein Kinderspiel.

Die echte Arbeit besteht darin, dafür zu sorgen,

dass das Ipelegen Community Center

eine ordentliche Verwaltung und Leitung bekommt,

die das Vorhaben zu 100 Prozent in Eigenregie führen und unterstützen,

so dass Centrum und Theater ordnungsgemäß geführt

werden können und alles ein Erfolg wird.


Ein gutes Miracle Management sicherzustellen,

(Finanzen und Administration, Programmierung,

Marketing, Logistik, Instandhaltung und Sicherheit)

bedeutet, dass man qualifizierte und engagierte Mitarbeiter finden muss,

auch die Erschaffung eines realistischen Geschäftsplanes

und vor allem muss dafür gesorgt werden,

dass der Rest des Ipelegen Centers auch ein neues Gesicht bekommt,

damit das umgebaute Theater nicht zu einer schönen Flagge

auf einem Schlammschiff wird.

Das alles kostet Zeit.

Manchmal will ich das schneller haben, als es möglich ist.

„Eisen mit Händen brechen, so funktioniert das nicht“,

schrieb Harmen Oostra, unser Mann vor Ort.

“Das ist ein anderes Land mit einer Vergangenheit,

die noch immer Einfluss auf die Gegenwart hat,

und wo die Dinge nun eben einmal Zeit brauchen.

Dort herrscht ein anderes Tempo als in den organisierten Niederlanden.“


Wir hoffen, dass wir vor der Fußball-WM, wenn auch nicht drin,

aber dennoch schon spielen können.

Mafika, einer der Männer, der ersten Stunde, wird dann nicht dabei sein können.

Er starb vor kurzem in der Blüte seines Lebens an wer weiß was.

Er wird in unseren Herzen dabei sein,

wenn, wann immer das auch sein wird,

’The Miracle’ kein Traum mehr ist.

Montag, 11. Januar 2010

Freitag

Meine jüngste Tochter macht eine CD.

Ihre erste.

Ich darf dabei sein.

“Pa, kann ich mir deine Ohren ausborgen?”

fragte sie.

Habe sie heute Morgen einer extra Inspektion unterzogen, 

wie sich das gehört. 

Verschieden Wattestäbchen für verschiedene Ohren. 

Werde mich auf dem Sofa im Regieraum platzieren. 

Anne wird hinter einer dicken Glasscheibe stehen,

ihr Gesicht bleibt zum größten Teil 

hinter einem Riesending von einem Mikrofon verborgen.

Sie singt dann mit dem Gesicht ihrer Mutter,

dass sie dem meinen so verdammt ähnelt.

Dann höre ich.


Ich folge dir mit meinen Augen,

von Wand zu Wand 

und über die Diagonale.

Du passt mal eben so in einen Tropfen.

Jesus, wie klein du bist.

Und dennoch schleppst du alles.

Manchmal ist das genauso groß

wie du selbst.

Du schleifst es hinter dir her, 

es ähnelt einer müden Schwester,

aber es ist ein Schokostreußel.

Oh mein Gott, wie machst du das?


Sie besingt eine Ameise.

Auf dem Piano begleitet 

von einem beinahe Mann,

einem Jungen noch.

Draußen wird es schneien.

Spatzen suchen Futter.

Die Bäume werden im Rauhreif stehn.

“Kaffee gefällig? 

Und? Glücklich mit einer solchen Tochter?“


Das Telefon läutet.

“Pa, ich habe eine Magen- und Darmgrippe.

Ich kann heute nicht singen.”


Vertage meine Freude auf Freitag.