Mein Enkelsohn,
der glücklicherweise genau wie sein Großvater
Fußball liebt,
wurde zu seinem Geburtstag von seinem Onkel,
meinem Sohn,
eingeladen, gemeinsam mit seinem Vater
zu einem Weltmeisterschaftsqualifikationsspiel der niederländischen Elf
gegen Mazedonien zu gehen.
Der Wettstreit wurde in Amsterdam ausgetragen,
im Stadion von Ajax.
Nicht mein Club.
Großvater, zwei Söhne, Enkelsohn, Schwiegersohn und Schwiegertochter
vereinbarten, sich am Haupteingang zu treffen.
Zu sechst liefen wir vor dem Spiel
mit Tausenden die Treppen hoch in unseren Rang.
Mein Enkelsohn trug zwei riesige orangefarbene Plastikklatschohren.
Orange, die Farbe unseres königlich spanisch-deutschen Mischlingsbluts.
Wir bescheiden uns mit hier und da einem Klecks Jaffa-Farbe.
Um uns herum eine johlende Mehrheit
orange herausgeputzte und ausgelassene Fußballfans.
Auffallend viele Väter und Mütter mit ihren Kindern.
Auch erstaunlich viele Ausländer, Surinamer, Antillaner,
Indonesier, Marokkaner, Türken, Polen.
Sah orange verschleierte junge Moslemfrauen.
Von überallher waren sie gekommen.
Transparente mit “Viel Glück aus Dedemsvaart”.
“Macht das Ding! wünscht Kerkrade”, „Hopp Holland! aus Middelburg“,
„Niederlande Weltmeister“ von einem Koos aus Dordrecht,
„Wir fahren nach Afrika. Ibrahim ist der Beste“, meint Aissatti aus Utrecht.
„Babel muss spielen“ las ich auf der Stirn eines tiefschwarzen Mannes.
Überall um uns herum saßen zwischen den unverkennbaren Holländern,
die alten neuen und die nagelneuen Niederländer.
Jeder sang mit jedem.
Jeder trank mit jedem.
Jeder stand auf,
als die Spieler aufs Feld kamen.
Jeder jubelte beim 1:0, 2:0, 3:0, 4:0.
Ein Mann aus der Türkei, der hinter mir saß,
tippte mir bei jedem niederländischen Tor
fröhlich auf meinen kahlen Schädel.
Mein Enkelsohn saß mit roten Wangen
zwischen seinem Opa und seinem Vater.
Er hatte sich fest vorgenommen,
einst in der niederländischen Elf zu spielen.
Nach dem Spiel gab es daran keinen Zweifel mehr.
Als Niederlande zum vierten Male trifft,
springt ein Antillaner vor mir herum
und ruft etwas unverständlich Glückliches,
was von einem Marokkaner,
in einem für mich anmutenden Kauderwelsch,
bestätigt wird.
Sieben Jungen aus Volendam, holländischer geht’s nicht,
mit ihren großartigen Ohrringen,
fallen einander um den Hals und sprechen eine Sprache,
die ich selbst als 64jähriger Niederländer nicht verstehe.
Wohin ich auch schaue, was ich auch höre, jeder ist anders.
Und darum ist niemand anders.
Es ist schön.
Es ist vielversprechend.
Hopp Holland!