(von einem TV-Moment)
Die Nachbarin nennt ihn den lachenden Buddha.
Ich habe die gleiche Figur und habe immer gedacht,
es wäre ein weinender Buddha.
Die Frau, die ihn mir verkaufte,
zeigte, dass auf seinem Rücken ein menschliches Gesicht zu sehen ist
und an seiner Seite ein menschlichen Fötus.
Man könnte ihn von allen Seiten betrachten.
Es wäre auch angenehm, ihn zu streicheln,
denn er ist so rund und aus weichem Holz.
Man könnte die Hand so passend drüberlegen.
Früher nahm ich auf Anraten meiner Mutter
meine kleine Puppe mit in die Schule,
wenn mir die Welt zu gewaltig erschien.
Heute vorsorglich meine Figur aus Holz.
Es hat gefroren, und die Ankeveense Plassen waren vereist.
Es darf nicht wie üblich zum Studio gerudert werden,
denn dann geht das "Vermutungs"-Boot kaputt.
Herman findet das nicht schlimm.
Er will hinein.
Erzählen.
Überlaufen von Milch und Honig.
Er will über die Rechte des Kindes reden.
Sein heiliger Text kommt aus dem Lukasevangelium.
Es geht um Kinder, die eine Liebkosung von Jesus wollen,
was die Jünger aber nicht gut finden.
Herman hat seine Gitarristin mitgenommen,
die unvergleichliche Edith Leerkes,
denn er will auch etwas singen.
Es ist ein Text von Selma,
einem jungen jüdischen Mädchen.
Todkrank auf ihrer Pritsche
in einem deutschen Konzentrationslager schrieb sie
ihr stilles Tagebuch.
Herman hat daraus Lieder gemacht.
Und während Edith ihre Zaubergitarre schon leise stimmt,
erzählt er von Selma und ihren deutschen Texten.
Achtzehn Jahre, wissend, was ihr bevorstand.
Realisierend, dass sie "überflüssig" war.
Bei dem Wort "überflüssig" halte ich es nicht mehr aus.
Meine Hand sucht unter dem Tisch Zuflucht
bei dem krummen hölzernen Rücken der kleinen Figur.
Ja, fühlt man, er weint.
Was bleibt ihm anderes übrig?
Annemiek Schrijver
(Moderatorin der Fernsehsendung "Het vermoeden")
(Von ihrer Site gepflückt)