Herman van Veens Besuch
Am 29. Februar besuchte Herman van Veen unsere Gemeinde in der Reformierten Kirche im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für seine Vorstellung im Theater de Leest. Wir hatten ihn anlässlich seines Buches „Goeie Genade. Hoogstpersoonlijk“ eingeladen, einem Buch mit persönlichen Geschichten um die Geschichten aus der Bibel seines Großvaters, einer Statenbibel. Mit ihm mitgekommen war die Gitarristin Edith Leerkes, die ihn auch in der Fernsehsendung „Herman van Veen vertelt van Kerst“ begleitet hatte.
Die Bibel
„Verstehen Sie mich richtig“, sagt er im Schlusskapitel seines Buchs, „meine Bibel ist nicht die Bibel. Sie ist die meines Opas, die jetzt bei uns im Wohnzimmer auf dem Tisch liegt.“
Herman erzählt uns, was der konkrete Anlass für das höchstpersönliche Buch war. Die Statenbibel seines Großvaters, die vom Vater dem Sohn übergeben wird, landete bei ihm. Jetzt, da sein Sohn beschlossen hat, sich eine Wohnung zu nehmen, muss er diese Bibel weitergeben. Weil er sie verliert, wollte er seine eigenen Erfahrungen mit ihr festhalten.
Für Herman ist die Bibel kein Buch der unumstößlichen Tatsachen. Das hat er schon früh begriffen, weil seine Familie weltanschaulich so vielfarbig war. Sein Opa war, wie seine Mutter meinte, „christlich hysterisch“, sie war von Geburt Jüdin (und glaubte an das, was sie sah) und sein Vater überzeugter Sozialist. Jeder hatte also sein eigenes Vorstellungsvermögen, das von Herman als gleichwertig akzeptiert wurde, weil wir nie dahinter kommen werden, wie alles faktisch aufgebaut ist. „Die Schöpfung hängt nicht von unserem Vorstellungsvermögen ab,“ sagt er.
Die Bibel ist kein Buch mit Fakten. Und darum kann die Bibel sich widersprechen, aber man muss auch nicht versuchen, sie richtig zu reden.
Und so liest er die Bibel: „Ich las sie und hab sie nicht verstanden. Ich erinnere mich an die Worte, die mein Großvater las und die immer wieder, zur rechten Zeit oder zur Unzeit, in meinem Leben auftauchen.“
So wird ihn ein Pastor nicht beeindrucken, der beim Text beginnt, nur einer, der erzählt, wie die biblische Geschichte in seinem, in unserem Leben auftaucht. Herman erzählt auch, dass er zu keiner Kirche gehört.
Die Bibel spielt für Herman eine große Rolle. Unsere Wurzeln liegen darin. Und die Wurzeln sind ebenso wichtig wie unser Leben. Das erklärt er uns mit Hilfe der Metapher von einem Baum, den man nur zur Hälfte gefällt hat; die andere Hälfte ist unter der Erde.
Darum müssen die biblischen Geschichten den Kindern weitererzählt werden. Das Bedeutende an ihnen ist außer dem Vorbild von Christus, den er für eine „formidable“ Figur hält, auch die Lehren, die man daraus ziehen kann. Man lernt viel zu wenig aus ihnen, meint Herman. In der Bibel kann man lesen, was alles schief gehen kann und was dann mit einem passiert.
Er erzählt die Geschichte, wie seine Mutter ihm einen Splitter aus dem Finger holte und wie er danach im Schlafzimmer der Eltern mit einer Kneifzange Jesus vom Kreuz holte. Warum muss Er da hängen bleiben? Wir müssen daraus Lehren ziehen und verhindern, dass das wieder passiert.
Aber so reagieren Menschen nicht, und schon gar nicht bei Jesus. Das schildert ein Gedicht aus der Fernsehsendung, das er heute Mittag vorliest:
Würdest du wie Jesus leben,
wie ein Heiliger, ein Engel,
würden Menschen dich nicht verstehen.
Und wenn du versuchen würdest,
deine Freude, deinen Frieden zu erklären,
würden die Menschen deine Worte hören,
anstatt sie zu verstehen.
Sie würden deine Worte wiederholen
und nicht danach leben,
sich am Ende fragen,
wie es kommt, dass du das besitzt,
was ihnen fehlt.
Sie würden eifersüchtig werden,
wütend werden,
dich überzeugen wollen,
dass du, und nicht sie,
der Gottlose bist.
Und wenn die Versuche, dir das Glück wegzunehmen, fehlschlagen,
werden sie dir weh tun
und in Raserei verfallen.
Und wenn du ihnen sagen würdest,
dass es dich nicht interessiert,
dass selbst der Tod dir dein Glück, deinen Frieden
nicht wegnehmen kann,
werden sie dich umbringen, um ihr Recht zu holen.
Und wenn sie dann den Frieden
auf deinem toten Gesicht sehen,
sprechen sie dich heilig.
Die Liebe
Woran glaubt Herman van Veen? An die Liebe. Eine Frage, ob er seinen Kindern die biblischen Geschichten vermitteln konnte, beantwortet er mit dem, was er sieht: er beschreibt seine Kinder, die Stück für Stück Gefühl für das Leben und die Liebe zeigen.
Glauben tut man. Liebe ist ein Tätigkeitswort. Für sein eigenes Leben beschreibt er das mit seinem Einsatz für Unicef und vor allem in seiner eigenen Foundation für die Rechte des Kindes. Er unterstreicht sein Engagement mit dem folgenden Text aus seinem Bühnenprogramm:
Eine Frau, die ihren Mann verloren hat,
heißt eine Witwe.
Ein Mann, der seine Frau verloren hat,
heißt ein Witwer.
Ein Kind, das seine Eltern verloren hat,
heißt eine Waise.
Aber wie nennt man Eltern,
die ihr Kind verloren haben?
Dafür gibt es kein Wort …
Er setzt sich ein für die Rechte der Kinder, um die sich niemand kümmert, weil sie ihrer Stimme keinen Nachdruck verleihen können. Er klagt die Leute an, die Familien in das Land ihrer Herkunft zurückschicken, wobei Recht auf Ausbildung oder ein Dach überm Kopf nicht einmal garantiert sind, obwohl das durch die Rechte des Kindes gefordert wird.
Fernsehsendung bei der EO
Schließlich erzählt Herman zusammen mit Edith von der Fernsehsendung bei der EO. Es hat heftige Diskussionen darüber gegeben, sagt er, auch deshalb, weil ihn Menschen da mit einer Geschichte über Jesus so nicht assoziierten, während sie ihm so am Herzen liegt. Gleichzeitig zeigt er auch Verständnis für die, die das anders sehen. Das mussten sie sagen, sieht er ein. So zeigt auch die Vorstellung in der Kirche von Naarden, dass die Schöpfung über unsere Vorstellungskraft geht.
Edith erzählt, wie sie mit einem gemeinsamen Atem die Vorstellung machen und Text und Musik ineinander fließen lassen. Wir haben in einem kurzen Ave Maria als Teil einer von Hermans Geschichten ihre Zusammenarbeit genießen dürfen.
Höchstes Wort
Am Ende überreichen wir Herman als Dank für die höchstpersönliche und liebevolle Art, in der er über die Geschichten aus der Bibel erzählt, die Kinderbibel „Het hoogste woord“, die die Geschichten aus der Bibel auf eine höchstpersönliche Art und Weise nacherzählt unter dem Motto: „Glaub einfach nur, dann glaubst du schon verrückt genug.“
Ein Mensch bleibt immer ein Kind, auch wenn er Opa ist.
Herman van Veen hat es sehr gefallen, Gast in unserer Gemeinde zu sein. Er nannte das Publikum „Liebe Menschen“ und „den Kern der Gesellschaft; diese Menschen care-n (kümmern sich)“, sagte er beim Abschied. Wir blicken zurück auf einen sehr schönen gemeinsamen Mittag.
Sandra Gaakeer und Dr. Otto Grevink