Dienstag, 29. April 2008

Die Getreuen

Mein jüngster Sohn arbeitet in seiner freien Zeit für die Tierambulanz bei uns im Dorf. Dann bekommt er zum Beispiel ein Wochenende lang ein außergewöhnlich gelbes Auto, das als Unfallstation für kleine Tiere eingerichtet ist. Für Hühner, Katzen, Igel, Gänse, Schildkröten, Schlangen, noch nicht erwachsene Kängurus, Kaninchen, Hunde, Perlhühner und so. Das Gefährt beißt sich dann mit allem vor unserem Haus. Zu dem schreienden Gelb passt keine Farbe, die an und um unser Haus zu finden ist.

Mein Sohn redet fortwährend über das, was er erlebt mit all dem Kleingetier. Vorige Woche musste er sogar drei Mal Tiereltern die Nachricht überbringen, dass sie Tierwitwen und Tierwitwer geworden waren. Kein leichter Auftrag.
Als unsere Katze von Jägern totgeschossen wurde, die dachten, dass es ein Fuchs wäre, sind meine Frau und ich auch heftig betroffen gewesen.

Wir hörten ihm mit halbem Ohr zu, meine Frau, eine Praktikantin, die gerade bei uns wohnt und ich. So wie man eben meistens zuhört, wenn was Alltägliches erzählt wird. Ja, das ist traurig.
Sonntagmittag noch scheute er sich mächtig davor, einer alten Frau mitzuteilen, dass ihr Snoetje nicht mehr nach Hause kommen würde.

Das Telefon läutete. „Darf ich Anneke kurz sprechen?“
Anneke ist die Praktikantin. Anneke lief mit einem breiten Lächeln zum Telefon. Ihre Mutter aus Südafrika. Ihr Gesicht verzog sich, ein Schluchzen, ein Aufschrei. Ihre Hündchen sind auf dem Sandweg bei ihrem Haus von einem zurückstoßenden Auto totgefahren worden. Unser Haus wurde still vor Traurigkeit.
Musste an Bandit denken. An unseren vor drei Jahren gestorbenen Border Collie. Hab sein Gewedel niemals entbehren können.

Mein Sohn, er hat Recht, so etwas kann man jemandem nicht erklären. Und wenn, dann kaum.

Montag, 28. April 2008
Freitag, 25. April 2008

Erik van der Wurff hat,
wie er mir gestern Abend in Doetinchem erzählte,
den Gouden Notenkraker gewonnen.

Eine Anstecknadel aus purem Edelmetall
trug er stolz auf der Brust.
Wir haben ihm alle herzlich gratuliert.
Denn wenn es einen gibt, der eine solche Würdigung verdient,
dann ist es Erik.




-- PRESSENOTIZ --

Arjan Ederveen und Erik van der Wurff gewinnen den Gouden Notenkraker 2008 


In einem stimmungsvollen Paradiso und im Beisein von nahezu allen Nominierten wurden am Montagabend, dem 21. April, die Gouden Notenkrakers 2008 überreicht. Die Abstimmung unter den 10.000 Schauspielern und Musikern, die dem Initiator des Preises, der benachbarten Rechteorganisation NORMA angeschlossen sind, ergab, dass Arjan Ederveen (Bühne) und Erik van der Wurff (Musik) die Kollegen am meisten beeindruckt haben.
Der Nominierungsausschuss begründete die Entscheidung wie folgt: 

Erik van der Wurff - Gouden-Notenkraker-Gewinner Musik 2008
Erik van der Wurff ist ein vielseitiger Pianist, Dirigent, Arrangeur, Komponist und Produzent mit einer langen, schier endlosen Liste von Arbeiten. Obwohl er oft hinter den Kulissen tätig ist, kennt ihn das große Publikum schon seit vierzig Jahren als Begleiter und Komponist von Herman van Veen. Daneben komponierte van der Wurff Musik für
Film und Fernsehn und arbeitete zusammen unter anderem mit Robert Long (Vroeger of Later, Levenslang), Toots Thielemans und John Denver.
Aktuell sind van der Wurffs Orchestrierungen u.a. für Jenny Arean und Liesbeth List.

Gouden Notenkraker
Seit 1974 ist der Gouden Notenkraker der Preis der ausübenden Künstler für ausübende Künstler. Mit dem Preis wird die kollegiale Wertschätzung für die besonderen Verdienste ausgesprochen, mit denen die Gewinner den Bühnenkünsten in den Niederlanden Farbe gegeben haben. Der Gouden Notenkraker bietet ein künstlerisches, gesellschaftliches und verkaufsförderndes Stimulanz für ausübende Künstler und hat deshalb eine direkte Verbindung mit der Zielsetzung der NORMA. 

Die aktuelle Bedeutung des Gouden Notenkraker:
Öffentliche Aufführungen sind wie immer ein wichtiger Katalysator für künstlerische Entwicklungen dynamischer Kunstformen wie Musik und Theater. In einer Zeit zurückgehender Einkünfte aus CD-Verkäufen und abnehmender Subventionen, ist Promotion für Live-Musik essentiell für die Existenz der ausübenden Musiker.

Frühere Notenkraker-Gewinner sind u.a.:
Dutch Swing College Band 1977
Jan Akkerman 1978
Golden Earring 1980
Mini en Maxi 1983
Rob de Nijs 1989
Het Goede Doel 1990
Jenny Arean 1996
Normaal 1998
Bløf 2000
Loes Luca 2007
Wende Snijders 2007
und Unterzeichneter in 1988

-- GOUDEN NOTENKRAKER 2008 FÜR ARJAN EDERVEEN UND ERIK VAN DER WURFF -- 

von Rik van Boeckel 

Der lange und der kleine Mann standen am Schluss der Bekanntgabe des Gouden Notenkraker 2008 nebeneinander auf der Paradiso-Bühne. Arjan Ederveen gewann in der Kategorie Bühne, Erik van der Wurff, Pianist van Herman van Veen, in der Kategorie Musik. “Ich widme diesen Preis jedem, der Leidenschaft für Musik hat,” sagte Erik van der Wurff, der schon eine Karriere von 43 Jahren hinter sich hat. “Er ist klein von Statur, aber in seiner Arbeit ist er groß und hinreißend,” sagte die Schauspielerin Loes Luca. 

Frederik de Groot, der Vorsitzende der Norma, sprach in seiner Eröffnungsrede von "einer großen Familie der Künstler" und bekannte, die Nase voll zu haben von "Leuten, die versuchen, uns zu unterminieren". De Groot, der den Nominierungsausschuss leitet, nannte mir später die Auswahlkriterien für die Nominierungen: Originalität, Talent und Durchsetzungsvermögen. 

In der Kategorie Musik wurde das ganz deutlich und auch bei den Auftritten: der subtile besinnliche Jazz der Saxophonistin Tineke Postma lässt sich nicht vergleichen mit dem swingenden, äußerst musikalischen Hiphop von Pete Philly; zwischen dem unnachahmlichen Gitarrenspiel von Jimmy Rosenberg und dem dezenten, zur Klassik neigendem Klavierspiel von Erik van der Wurff liegen Welten. Aber alles war gleich schön. Van der Wurff verließ mit Vergnügen seine Rolle als Begleiter von Herman van Veen. Er spielte vier Stücke, darunter eine Persiflage auf den Tango. “Der wurde in den letzten Jahren zu populär," rief er mit seiner Neigung zum Understatement. 

Den Preis empfand er als Krönung einer langjährigen Karriere. “Den habe ich wohl bekommen, weil ich so umfassend tätig bin. Das wissen meine Kollegen zu schätzen, die geben einem ja schließlich ihre Stimme. Ich widme diesen Preis allen, die Leidenschaft für Musik haben. Wenn man etwas erreichen will, muss der Musik alles andere weichen. Es ist ein toller Beruf, aber auch knallhart, weil man kein soziales Leben hat. Für ihn braucht man Passion.” 

CultuurPodium.nl

Montag, 21. April 2008

Entrüstung

Als ich meine Hand auf die Schulter der Stewardess legen wollte, hielt ich mich zurück. Nicht jedem behagt das.
Bin ziemlich berührsam. Umarme Menschen recht schnell. Das hab ich von Zuhause. Meine Mutter konnte so mal eben die Hand von einem völlig fremden Menschen nehmen, um zu fragen, wo sie jenes Kostüm gekauft hätte. Auch mein Vater war angenehm handgreiflich. Konnte jemandem vor lauter Lachen spontan auf die Schulter hauen oder spielerisch einen Tritt versetzen.

Hab mit meinem Berührungstalent eigentlich niemals Schwierigkeiten gehabt. Bis letzte Woche. Logierte im Hotel 'De Witte Lelie' in Antwerpen. Hatte mein Auto abends ordentlich auf den Parkplatz vor dem Hotel in der engen Kaiserstraße abgestellt. Dort gibt es für einige Fahrzeuge einen reservierten Platz entlang des Gehweges. Am folgenden Morgen wollte ich etwas aus meinem Auto holen. Jemand hatte seinen dicht vor meinem Wagen abgestellt. So einen, der im Volksmund ein PC-Hooft-Traktor* genannt wird. Solch ein Wagen ist vielleicht in den Pampas Argentiniens praktisch, aber für die historische Innenstadt Antwerpens etwas zu groß.

Der Besitzer des Kolosses erwies sich als eine aufgeregt telefonierende Frau, die unter ihrer Kofferraumhaube mit jemandem in ihrem Handy diskutierte, während sie mit der rechten Hand Notizen auf ein Zettelchen machte. Als sie mich aus ihren Augenwinkeln sah, gab sie mir die Anweisung, mein Auto augenblicklich wegzufahren, denn sie würde da sonst nicht herausfahren können.
Meines Erachtens kommt man mit einem solchen Gefährt überall heraus oder drüber weg, sogar über mein bescheidenes Personenfahrzeug.
Sagte zu ihr: "Meine Dame, der Gehweg ist keine fünf Zentimeter hoch, da kommen Sie doch vorwärts leicht drüber. Ihre Augen sprühten Feuer. "Herr, fahren Sie Ihr Auto weg", schnauzte sie mich an. Ich klingelte, weil meine Autoschlüssel noch im Hotel lagen. Die Besitzerin machte auf. Sie sah das gewaltige Auto auf ihrem Parkplatz stehen. "Ist sie ein Gast?", fragte ich. "Nein, sie darf da nicht stehen." "Könnten Sie mir bitte kurz meine Autoschlüssel herausgeben?"
Während die Hotelbesitzerin weglief, um meine Schlüssel aus meinem Fach zu holen, ging ich zu der noch immer telefonierenden Frau, legte meine Hand auf ihre Schulter und sagte, dass ich mein Auto gleich wegfahren würde. Sie sprang nach hinten und kreischte, dass ich ihr fern bleiben solle. "Fassen Sie mich nicht an! Fassen Sie mich nicht an!"
Ein Mann auf einem Fahrrad schaute mich an, als ob ich jemanden vergewaltigt hätte. Ein Fußgänger schüttelte den Kopf. Eine Sturzflut harter Worte wurde mir zuteil.

Ich wurde zur rasenden Weißglut. Das geschah noch niemals zuvor. Meine Schläfen hämmerten. Bin kaum böse zu kriegen. Das letzte Mal war das, glaube ich, 1956, als jemand meinen Kreisel gestohlen hatte und zwanzig Jahre später auf dich.

Es passierte etwas vollkommen Merkwürdiges mit mir.
Hatte das Verlangen, der Frau an einer weichen Stelle einen gewaltigen Tritt zu geben. Konnte mich gerade noch beherrschen. Ich war darüber so erstaunt, dass mir die Tränen in die Augen schossen.

So wenig, so wenig ist nötig, um einen friedlichen älteren Mann in einen Frauentreter zu verwandeln. Ich schäme mich zutiefst.


*PC-Hooft-Traktor ist zu vergleichen mit einem Protzwagen. PC Hooft ist der Name eines der teuersten Geschäftsstraßen in Amsterdam.

Montag, 7. April 2008


In der vergangenen Woche wurde in Elandsdoorn, Moutse (Südafrika), der Grundstein gelegt für The Miracle II. Ein Theater im Ndlovu Community Centre. Im kommenden September wird in Soweto dasselbe passieren, und zwar im Ipelegeng Community Centre in White City Jabavu, einem Gemeindekulturzentrum, in dem die Menschen ihre Geschichte spielen, singen und tanzen können. In Soweto leben über 1 Million Menschen. Es gibt fast keine Spielorte. Sie können helfen, indem Sie einen Stuhl im Saal von The Miracle kaufen. Wir haben vor einer Woche mit dem Verkauf der Stühle begonnen. Es gibt insgesamt 303, von denen wir inzwischen 52 verkauft haben. Ein Stuhl kostet 500 Euro.
 

(Zur Vergrößerung klicken Sie bitte auf das Bild)


Letzte Woche Donnerstag spielten Edith Leerkes, Anne van Veen und ich bei uns in der Schaapskooi die erste Lesevorstellung von ‘Pom pom pom’, der Geschichte von Benjamin IJsbrand Beer, der mit seinem Vater und seiner Mutter vor dem schmelzenden Eis fliehen muss. Es war eine so gelungene Vorstellung, dass wir sie wiederholen werden am 13. April in IJsselstein, am 4. Mai in Gent, am 7. Mai in Oss, am 11. Mai in Hoofddorp und am 18. Mai in Zwolle, in Middelburg am 25. Mai und am 28. Mai in Hoorn.


(Zur Vergrößerung klicken Sie bitte auf das Bild)


(Zur Vergrößerung klicken Sie bitte auf das Bild)

Das Buch ‘Pom pom pom’ erscheint in diesem Monat im Verlag Callenbach in Kampen.
   
Ab Mittwoch ist die Ausstellung ‘Mata Hari - Schuldig of naïef’ 2 Monate  in den Antwerpse Boerentoren zu sehen. Bücher, Fotos, Kostüme, Vorstellungen, Bilder und Töne, die von Margaretha Zelle erzählen, besser bekannt als Mata Hari.
 

(Zur Vergrößerung klicken Sie bitte auf das Bild)

Am 3. Mai beginnt der Ticketverkauf für unsere Jubiläumsvorstellung im Carré. Bei Vorbestellungen innerhalb der ersten Woche erhalten  Sie von Harlekijn eine  Jubiläumsermäßigung. Wir spielen seit 40 Jahren. Diese Ermäßigung gilt für Dienstag, den 28., Mittwoch, den 29., Donnerstag, den 30. und Freitag, den 31. Oktober.
Der Kartenvorverkauf ist ab sofort möglich.
 

 
Am 27. Mai spielt Edith Leerkes ihre ‘Etude F’ in der Baarnse Speeldoos. Das Harlekijn Danstheater wird dieses Konzert garnieren. ‘We’re watching you’, ein getanzter Bombenalarm.

Dienstag, 25. März 2008

Herman van Veens Besuch

Am 29. Februar besuchte Herman van Veen unsere Gemeinde in der Reformierten Kirche im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für seine Vorstellung im Theater de Leest. Wir hatten ihn anlässlich seines Buches „Goeie Genade. Hoogstpersoonlijk“ eingeladen, einem Buch mit persönlichen Geschichten um die Geschichten aus der Bibel seines Großvaters, einer Statenbibel. Mit ihm mitgekommen war die Gitarristin Edith Leerkes, die ihn auch in der Fernsehsendung „Herman van Veen vertelt van Kerst“ begleitet hatte.

Die Bibel

„Verstehen Sie mich richtig“, sagt er im Schlusskapitel seines Buchs, „meine Bibel ist nicht die Bibel. Sie ist die meines Opas, die jetzt bei uns im Wohnzimmer auf dem Tisch liegt.“

Herman erzählt uns, was der konkrete Anlass für das höchstpersönliche Buch war. Die Statenbibel seines Großvaters, die vom Vater dem Sohn übergeben wird, landete bei ihm. Jetzt, da sein Sohn beschlossen hat, sich eine Wohnung zu nehmen, muss er diese Bibel weitergeben. Weil er sie verliert, wollte er seine eigenen Erfahrungen mit ihr festhalten.

Für Herman ist die Bibel kein Buch der unumstößlichen Tatsachen. Das hat er schon früh begriffen, weil seine Familie weltanschaulich so vielfarbig war. Sein Opa war, wie seine Mutter meinte, „christlich hysterisch“, sie war von Geburt Jüdin (und glaubte an das, was sie sah) und sein Vater überzeugter Sozialist. Jeder hatte also sein eigenes Vorstellungsvermögen, das von Herman als gleichwertig akzeptiert wurde, weil wir nie dahinter kommen werden, wie alles faktisch aufgebaut ist. „Die Schöpfung hängt nicht von unserem Vorstellungsvermögen ab,“ sagt er.

Die Bibel ist kein Buch mit Fakten. Und darum kann die Bibel sich widersprechen, aber man muss auch nicht versuchen, sie richtig zu reden.
Und so liest er die Bibel: „Ich las sie und hab sie nicht verstanden. Ich erinnere mich an die Worte, die mein Großvater las und die immer wieder, zur rechten Zeit oder zur Unzeit, in meinem Leben auftauchen.“

So wird ihn ein Pastor nicht beeindrucken, der beim Text beginnt, nur einer, der erzählt, wie die biblische Geschichte in seinem, in unserem Leben auftaucht. Herman erzählt auch, dass er zu keiner Kirche gehört.

Die Bibel spielt für Herman eine große Rolle. Unsere Wurzeln liegen darin. Und die Wurzeln sind ebenso wichtig wie unser Leben. Das erklärt er uns mit Hilfe der Metapher von einem Baum, den man nur zur Hälfte gefällt hat; die andere Hälfte ist unter der Erde.

Darum müssen die biblischen Geschichten den Kindern weitererzählt werden. Das Bedeutende an ihnen ist außer dem Vorbild von Christus, den er für eine „formidable“ Figur hält, auch die Lehren, die man daraus ziehen kann. Man lernt viel zu wenig aus ihnen, meint Herman. In der Bibel kann man lesen, was alles schief gehen kann und was dann mit einem passiert.

Er erzählt die Geschichte, wie seine Mutter ihm einen Splitter aus dem Finger holte und wie er danach im Schlafzimmer der Eltern mit einer Kneifzange Jesus vom Kreuz holte. Warum muss Er da hängen bleiben? Wir müssen daraus Lehren ziehen und verhindern, dass das wieder passiert.

Aber so reagieren Menschen nicht, und schon gar nicht bei Jesus. Das schildert ein Gedicht aus der Fernsehsendung, das er heute Mittag vorliest:

Würdest du wie Jesus leben,
wie ein Heiliger, ein Engel,
würden Menschen dich nicht verstehen.

Und wenn du versuchen würdest,
deine Freude, deinen Frieden zu erklären,
würden die Menschen deine Worte hören,
anstatt sie zu verstehen.

Sie würden deine Worte wiederholen
und nicht danach leben,
sich am Ende fragen,
wie es kommt, dass du das besitzt,
was ihnen fehlt.

Sie würden eifersüchtig werden,
wütend werden,
dich überzeugen wollen,
dass du, und nicht sie,
der Gottlose bist.

Und wenn die Versuche, dir das Glück wegzunehmen, fehlschlagen,
werden sie dir weh tun
und in Raserei verfallen.

Und wenn du ihnen sagen würdest,
dass es dich nicht interessiert,
dass selbst der Tod dir dein Glück, deinen Frieden
nicht wegnehmen kann,
werden sie dich umbringen, um ihr Recht zu holen.

Und wenn sie dann den Frieden
auf deinem toten Gesicht sehen,
sprechen sie dich heilig.


Die Liebe

Woran glaubt Herman van Veen? An die Liebe. Eine Frage, ob er seinen Kindern die biblischen Geschichten vermitteln konnte, beantwortet er mit dem, was er sieht: er beschreibt seine Kinder, die Stück für Stück Gefühl für das Leben und die Liebe zeigen.

Glauben tut man. Liebe ist ein Tätigkeitswort. Für sein eigenes Leben beschreibt er das mit seinem Einsatz für Unicef und vor allem in seiner eigenen Foundation für die Rechte des Kindes. Er unterstreicht sein Engagement mit dem folgenden Text aus seinem Bühnenprogramm:

Eine Frau, die ihren Mann verloren hat,
heißt eine Witwe.
Ein Mann, der seine Frau verloren hat,
heißt ein Witwer.
Ein Kind, das seine Eltern verloren hat,
heißt eine Waise.

Aber wie nennt man Eltern,
die ihr Kind verloren haben?

Dafür gibt es kein Wort …


Er setzt sich ein für die Rechte der Kinder, um die sich niemand kümmert, weil sie ihrer Stimme keinen Nachdruck verleihen können. Er klagt die Leute an, die Familien in das Land ihrer Herkunft zurückschicken, wobei Recht auf Ausbildung oder ein Dach überm Kopf nicht einmal garantiert sind, obwohl das durch die Rechte des Kindes gefordert wird.

Fernsehsendung bei der EO

Schließlich erzählt Herman zusammen mit Edith von der Fernsehsendung bei der EO. Es hat heftige Diskussionen darüber gegeben, sagt er, auch deshalb, weil ihn Menschen da mit einer Geschichte über Jesus so nicht assoziierten, während sie ihm so am Herzen liegt. Gleichzeitig zeigt er auch Verständnis für die, die das anders sehen. Das mussten sie sagen, sieht er ein. So zeigt auch die Vorstellung in der Kirche von Naarden, dass die Schöpfung über unsere Vorstellungskraft geht.

Edith erzählt, wie sie mit einem gemeinsamen Atem die Vorstellung machen und Text und Musik ineinander fließen lassen. Wir haben in einem kurzen Ave Maria als Teil einer von Hermans Geschichten ihre Zusammenarbeit genießen dürfen.

Höchstes Wort

Am Ende überreichen wir Herman als Dank für die höchstpersönliche und liebevolle Art, in der er über die Geschichten aus der Bibel erzählt, die Kinderbibel „Het hoogste woord“, die die Geschichten aus der Bibel auf eine höchstpersönliche Art und Weise nacherzählt unter dem Motto: „Glaub einfach nur, dann glaubst du schon verrückt genug.“

Ein Mensch bleibt immer ein Kind, auch wenn er Opa ist.

Herman van Veen hat es sehr gefallen, Gast in unserer Gemeinde zu sein. Er nannte das Publikum „Liebe Menschen“ und „den Kern der Gesellschaft; diese Menschen care-n (kümmern sich)“, sagte er beim Abschied. Wir blicken zurück auf einen sehr schönen gemeinsamen Mittag.

Sandra Gaakeer und Dr. Otto Grevink

Freitag, 21. März 2008

Weihnachten spielten Edith und ich im Wiener Stephansdom, einer enormen Kathedrale, die im Gegensatz zu den meisten katholischen Kirchen dem Volk gehört. Vom Altar konnte ich beim Singen über die Köpfe der Menschen in weiter Ferne die großen Türen des Ein- und Ausgangs sehen und dahinter durch das Milchglas die Menschen auf der Straße. Ein eindrucksvoll diffuses Bild. Ein Kreuz im Glas. Dass es ein Kreuz war, ist Zufall. Der vertikale Balken trennt die beiden Türen. Der horizontale Balken entsteht durch das kleine Schild "Ausgang" auf der linken Seite und das kleine Schild "Eingang" auf der rechten Seite.

Ich habe das Bild gemalt und es "Das blaue Kreuz" genannt. Dieses Gemälde bekommt jetzt ein Platz in der Wiener Kathedrale. Ich durfte es gestern dem Dompfarrer Toni Faber überreichen. Oben in einer eiskalten Kapelle vor der versammelten Wiener Presse. Das Bild: ein "Kreuz", ein "Schwert", ein "Ein- und Ausgang", im Dunkel blau aufleuchtend in einem inversen Himmel. Acryl und Kreide.



Draußen schneit’s und es ist 0 Grad. Und fast Palmsonntag. Als Schüler durften wir früher ein mit Girlanden, Korinthenbrot und Eiern behängtes Holzkreuz machen. Auf der Spitze ein Osterhase mit zwei Korinthenaugen oder ein Hahn mit Rosinenaugen. Damit ging man dann stolz durch die Straßen und sang: "Palm-, palm-, pasen, ei koerij" - ich weiß nicht, ob man das so schreibt. Abends durfte man alles, was noch übrig war, aufessen. Von dem Kreuz blieb ein Schwert übrig, mit dem man kämpfte, bis es dunkel wurde. Immer um die Hand von Dieneke, Tineke, Nettie, Trees oder Olga.

Montag, 10. März 2008

Herr van der Linden

Vor der Vorstellung gönne ich mir ein Stündchen Schlaf auf meinem
Klappbett aus leichtem Holz. Samstagnachmittag wurde ich in der Leidse Shouwburg von Herrn van der Linden geweckt, dem ehemaligen Direktor vom Carré. Dachte ich jedenfalls. Es wurde fünfmal an die Tür geklopft. Ich kenne nur einen auf der Welt, der fünfmal an die Tür klopft.
„Herein!“ rief ich im Halbschlaf.
„Ich möchte dir dafür danken“, sagte Herr van der Linden, „dass du heute Mittag da warst. Wir wussten das sehr zu schätzen. Auch meine Frau und die Kinder.“
Herr van der Linden sah wie immer tadellos aus. Schicker Schlips, weißes Oberhemd, graubrauner Anzug, blank geputzte Schuhe. Unwirklich echt stand er in meiner Garderobe.
Das Telefon ging. Meine Frau.
„Wie war’s auf der Beerdigung?“ fragte sie.
„Traurig. Es waren ziemlich viel Leute da. Die Kinder sprachen in Tränen. Eine liebe Nichte. Der aktuelle Direktor vom Carré und Stardust-Chef Henk van der Meijden. Wir hörten Musik. Paul war auch da. Ich soll dich grüßen.“
Ins Carré bin ich nicht mehr mitgegangen. Sonst wäre ich zu spät in Leiden gewesen. Ich hatte mir vorgenommen, in der Aula nicht zu weinen. Ich kann so schrecklich traurig sein. Ich habe fünfmal an den Sarg von Herrn van der Linden geklopft. Und musste dann doch noch schluchzen. Wieder jemand weg, den ich gern sah.

Mittwoch, 5. März 2008

Alles ist weiß.
Clinton hat wieder ein bisschen gewonnen.
Obama geht mit sich zu Rate.
AC Mailand ist raus.
Wir sahen zum letzten Mal Maldini.
Jetzt warten alle auf seinen Sohn.

Ich lese ein Fax: Lesevorstellung Benjamin IJ. Beer.
6., 13., 16. April: Matineen. Wo? Das wird noch geklärt.
4. Mai: Matinee in Gent.
7. Mai in Oss.
11. Mai in Hoofdorp.
18. Mai in Zwolle.
25. Mai in Middelburg.
28. Mai in Hoorn.
31. Mai in Drachten.
Alle Angaben ohne Gewähr.
Beginn: immer um 14:30 Uhr.
Eintritt: Kinder 12 Euro, Erwachsene 16 Euro.
Delft ist geplant.

Wir werden dann lesen, singen und erzählen von Benjamin ISbrand Beer.
Manchmal mit meiner Tochter Babette
und manchmal mit Anne, der jüngsten.
Wir werden von Edith Leerkes begleitet.
Bitte weitersagen.


Der Schnee ist inzwischen geschmolzen.
Dicke graue Wolken ziehen aus dem Norden
mit gelegentlichen Aufheiterungen.
Der Kaminrauch, der aus der Kirche kommt,
verneigt sich vor dem Wind.
Heute haben die Hühner zum ersten Mal ein Ei gelegt.

Mittwoch, 20. Februar 2008

---

Herman van Veen ergriff die Initiative für die Aktion "Abseits"
 

Veranlassung war die Diskussion, ob man an den kommenden Olympischen Spielen angesichts der Missachtung von Menschenrechten in China teilnehmen oder verzichten sollte.
Eine nachvollziehbare Debatte, aber die Verletzung von Menschenrechten findet überall statt und verdient immer unsere Aufmerksamkeit.
Ohne über China einen Bann verhängen zu wollen, ist dieser Aufruf zum Tragen eines orangefarbenen Bändchens ums Handgelenk ein Zeichen der Solidarität mit denen, die durch ihre Auffassungen oder ihre Lebensweise abseits stehen.
 
Ein Symbol der Verbundenheit, das hoffentlich bis nach Peking Fragen aufwirft und Dialoge in Gang setzt, um die Menschenrechtssituation zu verbessern, in China und in allen anderen Ländern, die sich in diesbezüglich schuldig machen.

 
Edith Leerkes
Mitbürgerin