Freitag, 2. März 2007

Sting

20 Uhr 15. Concertgebouw, Großer Saal.
Ohne Übertreibung einer der besten Konzertsäle der Welt.
Kein Stuhl ist unbesetzt.
Das Publikum, auf den ersten Blick Vierzigjährige mit Arbeit
und ein paar Ältere wie ich.
Auf der Bühne, spärlich beleuchtet, einige Lauten -
hätte fast gesagt: Laute -
ein paar Pulte, Stühle.
Edin Karamazov betritt die Bühne,
Meistermusiker auf alten und zeitgenössischen Saiteninstrumenten.
Ähnelt von da, wo ich sitze, einem Oscar-Wilde-artigen Mann.
Violetter Sakko, halblange, fast schwarze Haare, femininer Gang.
Er spielt die Laute wie ein verliebter Tänzer,
flattert über den Hals seines alten Instruments,
öffnet Türen zu anderen Zeiten.
Dowland. Ein Sing- and Songwriter der ersten Stunde.
Semper Dowland, semper dolens (immer Dowland, immer trauernd),
geboren 1563.
Musik, so scheint es, auf Glas geschrieben, hauchzart, galant.
Edin Karamazov musiziert, als wäre er ein Taumelkäfer auf dem Wasser eines Grabens, flüchtig.
Er rauscht über die Saiten wie früher im Kinderlied
„Der Wind durch die Bäume“.
Im Klang ein bisschen tief,
wodurch harmonischer Aufbau unerkennbar wird,
virtuos im Umgang mit den dazu gehörenden Fallgruben.
Der Mann lebt seine Musik, ist eins mit seinem Instrument.
Applaus.
Mit gesenktem Kopf steht er auf,
trägt die Laute wie ein Baby,
beteiligt sein Instrument am Beifall.

Sting tritt auf.
Im Saal herrscht ein Gefühl wie Weihnachten.
Es gibt ihn, denn er ist da, wirklich.
Ein fragiler Mann, eine lebende Legende
in einer schwarz aussehenden Chinesenjacke,
darunter, dazu passend, Pullover und Hose.
Sein Unterteil hat etwas von Lucky Luke.
Die Art und Weise, in der er geht, zeugt von Erfahrung.
Er kennt wie kein anderer das Warum der gewählten Gehgeschwindigkeit, der angemessenen Eile.

Ich verfolge Sting, solange ich ihn erleben kann.
Das ist schon lange her, 1978, als er noch bei der Polizei war.
Ich besuchte seine Konzerte, als man noch versuchte, der Polizei aus dem Wege zu gehen.
Angefangen als Sohn eines Milchmanns,
gewachsen zu einem weltweit tonangebenden Künstler.
Ich liebe ihn, vor allem als Schauspieler.
Seine Rolle in „Dune“ finde ich unvergesslich.

Über John Dowland sagt Sting:
„Seine Stücke verfolgen mich schon seit über 20 Jahren auf eine angenehme Weise.
1982 trat ich im Drury Lane Theater in Covent Garden auf als Gast einer Varietévorstellung zugunsten von Amnesty International.
Nach einem Soloauftritt mit einem meiner Songs kam der Schauspieler John Bird zu mir, um mir Komplemente zu machen und fragte, ob ich je von den Liedern von John Dowland gehört hätte.
Ich musste nein sagen,
obwohl ich den Namen kannte und nur wusste, dass er ein elisabethanisch-jakobinischer Komponist war.
Ich dankte Herrn Bird für sein Lob und war so angestachelt,
dass ich mich am nächsten Tag auf die Suche nach einer Anthologie von Dowland-Titeln machte.
Interpretiert von Peter Pears und Julian Bream auf der Laute.
Obwohl ich die melancholische Würde mochte, habe ich es total nicht gesehen, dass das ins Repertoire eines ambitionierten Rocksänger passen könnte.“

Sting singt Dowland wie ein Instrumentalist.
Gebraucht seine Stimme fast wie ein Cellist, ohne Vibrato.
In der Höhe glockenrein, in den Intervallen nicht immer spritzig.
Die Vokale hören sich toll an, die Konsonanten verschwinden in Lautlosigkeit.
Seine Artikulation rettet ihn, spannend, ihn zu hören.

Er sagt selbst: „Ich liebe es, mich in neue Situationen zu begeben. Hab’ keine Angst davor, ein Anfänger zu sein.“
Ein mir verdammt vertrautes Gefühl.
Es ist schön, zu erleben, wie jemand seines Formats
in aller Öffentlichkeit ein ungelesenes Buch aufschlägt.
Rührend mutig.
Der Mann wirkt noch immer bescheiden.
Seine Vorgehensweise ist diskret, sein Herz bei allem zu hören.
Für ziemlich viel Menschen, die den Saal vorzeitig verlassen, offensichtlich eine Enttäuschung.
Für mich die Bestätigung dessen, was ein Künstler sein muss: Ein Reisender, ein Zeuge, ein Liebhaber.

Montag, 26. Februar 2007

                    Herman van Veen voor een van zijn doeken. "Schilderen is een nieuwe therapie." (c) Wim Kempenaers





Mittwoch, 14. Februar 2007

Letzte Woche
habe ich mit Janine Jansen im Concertgebouw gespielt.
Ein Stück für zwei Geigen und Ensemble.
Jetzt ist es aus und vorbei mit mir.
Kein Zweifel, ich bin eindeutig unterlegen, zerrissen, besiegt, vernichtet.
Kann meine Geige für immer an den Haken hängen.
Janine Jansen hat mir mein Instrument aus den Händen gespielt.
Ich bin dazu verurteilt, nur Sänger zu bleiben.
Das sehe ich jetzt auch ein, zweifle keine Sekunde mehr daran.

Als ich einmal Yehudi Menuhin hörte
in der alten Kunst en Wetenschappen in Den Haag -
Menuhin, alles andere als ein miserabler Geiger,
ein anerkannt großer Musiker -
fühlte ich mich motiviert, enthusiasmiert und angeregt.
Ich begann, fleißig zu studieren, und was ich spielte,
klang mehr als lobenswert.
Ich war jung, begeistert und talentiert.

Aber jetzt, da ich die schreckliche Janine Jansen
gehört und erlebt habe,
fühle ich mich arm, trostlos und verlassen,
ohne Mut und Selbstvertrauen,
jetzt weiß ich, dass ich nur einen Bruchteil von dem kann, was sie vermag.
Seit ich Janine gehört habe,
die ohne jeden Zweifel der Champion,
die Herrscherin der Geiger ist,
bin ich zu einem armseligen kleinen Streicher zusammengeschrumpft.

Hab Erbarmen mit einem geschlagenen, abgestraften, jämmerlichen Mann,
Janine Jansen, Kaiserin unter Kaiserinnen,
Weltwunder und Alleskönnerin,
für die es auf ihrem Instrument nichts gibt, was sie nicht kann.
Ich fühle mich entwaffnet, wie ein Stümper, ein Grapscher.
Still will ich sein, kein Wort mehr sagen.
Das Leid, das Janine mir angetan hat,
werde ich wie ein müder Fußgänger
traurig und geduldig ertragen.
Und so wie Robert Walser, nachdem er
das Werk von Charles Dickens gelesen hatte,
allen empfahl, Dickens zu lesen,
rate ich:

Hören Sie vor allem Janine,
Janine Jansen.

Dienstag, 2. Januar 2007

Was ich Ihnen wünsche

Wünsche Ihnen vor allem Gesundheit
und dass Sie sehr viele Menschen lieben können
und es umgekehrt viele gibt,
die Sie lieben.

Wünsche Ihnen ein Land,
wo Sie in Frieden wohnen
und einer Arbeit nachgehen können,
die sie lieben.
Wo Sie sicher über die Straße gehen können.
Wo die Städte nachts
der Nacht gehören.
Und der Himmel
nicht bis zur Morgenstunde
elektrisch beleuchtet wird.

Wünsche Ihnen ein Haus,
wo Sie mit den Ihren
am Tisch sitzen können
und Fenster
mit Blick auf einen Horizont.

Wünsche Ihnen Weisheit
und Zufriedenheit
beim Anschauen von Kinderzeichnungen
oder richtigen Gemälden,
beim Musikhören
und beim Lesen eines Buches.

Wünsche Ihnen rauschende Bäume,
blühende Blumen,
annehmbar viele Mücken,
reines klares Wasser im Graben,
einen Hund, der mit dem Schwanz wedelt,
wenn Sie nach Hause kommen.

Wünsche, dass Sie
für einen Mitmenschen in Not,
von Bedeutung sein mögen,
dass Sie Zeuge
einer unerklärlichen Verzauberung sind.

Wünsche Ihnen eine Kirche
mit oder ohne Kreuz,
in der Sie Gott glauben können.

Wünsche schließlich,
dass Sie das lesen werden
und vor allem,
dass Sie
nicht schon heute
von der Zukunft
enttäuscht sein werden.

Herzlich

Herman van Veen


P.S.
Mein Weblog
ist wie ehedem
von Roger Hendriks
auf diese Site gestellt.
Er ist fast wieder
ganz.
Bitte
vorsichtig anfassen.

Freitag, 1. Dezember 2006
Der Herbst ist wie der in der Dordogne.
Auch die Kühe, die neben uns auf der Weide gehen,
grasen Französisch.
Sie sind braun wie Cappuccinos,
offensichtlich im Urlaub.
Alles ist durcheinander,
die Tauben brüten,
ich gehe noch immer ohne Mantel.

Hab heute Morgen gesehen,
wie 66 “Kunstwerke” von mir
eingeladen wurden.
Sie gehen nach Emmen,
zu meiner ersten Ausstellung in den Niederlanden.
Malereien. Fotos, Texte, Lithos
gebührend gerahmt hinter entspiegeltem Glas.
Sechzehn Leinwände aus dem Herzen.
“Signature d’automne”
nenne ich diese bildende Vorstellung.
“Herfsthandschrift”.
Alles ist zu kaufen,
bis auf ein Gemälde.
Das gehört Edith.
Für den Platz über ihrer Couch.
Ihr Bild darf ungern mit nach Emmen.
Es war noch nicht trocken, schon war ich’s los.

Mata Hari in Paris
ist für die Presse
eine regelrechte Sensation.
Herzerfrischend, wie darüber geschrieben wurde.
Morgen Abend ist die Serie zu Ende.
Es wird fleißig überlegt.
Werden wir verlängern?
Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Chopin, Chanson de Daniël,
spielt in einer Handvoll kleiner Theater.
Die Vorstellung wächst wie ein Baum.
Enthusiastische Reaktionen auf das Spiel von
Frédérik Steenbrink,
Truus te Selle
und Lilja Hermannsdóttir.
Ich höre manchmal, dass man erwartet, auch mich zu sehen.
Ich hab’s geschrieben und Regie geführt.
Aber ich spiele nicht mit.
In Baarn zum Beispiel
hat eine Reihe Menschen angenommen,
mich zu sehen.
Waarscheinlich auch, weil ich dort beim
Try-out eine Einführung gab.
Ein etwas unglückliches Missverständnis.

In den vergangenen Wochen
waren wir in der Schweiz auf Tournee.
Immer wieder bin ich
erstaunt, wie schön die Alpen sind.
Auch da lässt der Winter auf sich warten.
Die Bergspitzen sehen aus
wie spitze Krapfen mit Puderzucker.
Die Reihe in kleinen Theatern war vor allem
abwechslungsreich.
In Basel standen wir auf einer Bühne,
die so groß wie unsere Küche war.
Ich konnte die Decke mit den Händen berühren,
mit meinem Geigenbogen mühelos
dem Publikum auf die Finger klopfen.
“Le Fauteuil” hieß der kleine Saal,
weil man da früher einen eigenen Stuhl mitbringen musste.
Wir hatten auch eine Vorstellung in der ehemaligen
Salzfabrik von Winterthur.
Ein großartiges Bauwerk aus Holz,
gefüllt mit Steinmauern.
Mauern, die nach Meer schmeckten.
In Zürich standen wir in einem Haus,
das früher eine Feuerwehrkaserne war.
Ich rutschte an einer Stange von der Decke
auf die Bühne.
Vor allem Edith…

Wir sausen jetzt von Den Haag
nach Darmstadt.
In der Residenz traten wir aus Anlass von
“Woorden op mijn zang”’
im Buchladen Van Paagman auf.
Schön, in all die Gesichter zu schauen.
500 Menschen, zusammengehalten von Bücherstapeln.
Zum Schluss Autogramme gegeben
und 23 Mal “Für Anne” geschrieben.
Montag, 27. November 2006
PRESSENOTIZ

DER MALER HERMAN VAN VEEN STELLT AUS IN EMMEN

CVITES in Emmen stellt in diesem Winter das Werk von Herman van Veen aus.
Zum ersten Mal zeigt der Bühnenkünstler Herman van Veen seine Arbeiten als Maler einem großen Pub-likum.
Die erste Ausstellung „Signature d’Automne“ (Herbstunterschrift) ist zu sehen vom 6. Dezember 2006 bis zum 3. Januar 2007
in De Fabriek,  Emmerweg 88, 7812 BG Emmen, Niederlande

Herman van Veen eröffnete im März 2004 das neue Bürogebäude von CVITES,
einem Bera-tungsdienst zur Lösung von Ausbildungsproblemen.
Seinen Ausflug in die bildende Kunst erläutert Herman van Veen so:
„Von jetzt auf gleich hab ich als Sechzigjähriger angefangen zu malen.
Einfach so, dafür hab ich nicht gelernt, keinen gefragt.
hab Leinwände gekauft, Acryltuben, Spraydosen, Pinsel, Radiermesser, T-Shirts
und bin ans Werk gegangen.
Zwölf Bilder hintereinander.
Hab zwölf Farne in Farbe auf die Leinwand gebannt.
Ich finde die Pflanzen schön.
Unverwüstlich.
Im Winter sehen sie aus wie tot,
im Sommer winken sie über den Beeten.
Ein Deutscher las von meiner Sonntagsmalerei,
kam, sah und fragte,
ob er mein Gepinsel ausstellen dürfte.
Alles wurde verkauft,
ich selbst hab kein einziges mehr.
Prima!
Kann im Herbst meines Lebens
wieder was anderes malen.“

Die Ausstellung  besteht aus 61 Arbeiten, entsprechend der Anzahl Herbste, die Herman jung ist.
Diese Arbeiten haben verschiedene Themen und verschiedene Techniken wie:
Mit Füßen getreten (womit Herman auf die universellen Rechte des Kindes hinweisen will),
Mata Hari (bearbeitete Fotos von der Vorstellung, die er schrieb),
Leinwände (mit realistischen Naturfragmenten),
Nimm hin mein Lied (ein Tagebuch in der Form von bearbeiteten Fotos).
Die Werke sind zu kaufen, ein Teil des Gewinns geht an die Herman-van-Veen Foundation,
die Stiftung, die sich dafür einsetzt, dass die universellen Rechte des Kindes auch tatsäch-lich eingehalten werden.

Signature d’Automne
Herbsthandschrift
Herman van Veen, der Maler

6. Dezember bis 3. Januar 2007
in: De Fabriek, Emmerweg 88, 7812 BG Emmen, Niederlande

Öffnungszeiten:
Mittwoch, Samstag und Sonntag von 14:00 – 17:00 Uhr.
 
Abweichende Öffnungszeiten:
am Sonntag, dem 24. und am Sonntag, dem 31. Dezember, von 14:00 – 16:00 und
am Dienstag, dem 2. Januar, von 14:00 – 17:00.







Jetzt im Buchhandel erhältlich!
     

In kürze im Buchhandel erhältlich!
Freitag, 17. November 2006
Herman van Veen malt

Von jetzt auf gleich
hab ich als Sechzigjähriger angefangen zu malen.
Einfach so, dafür hab ich nicht gelernt,
keinen gefragt.
hab Leinwände gekauft, Acryltuben,
Spraydosen, Pinsel, Radiermesser, T-Shirts
und bin ans Werk gegangen.
Zwölf Bilder hintereinander.
Hab zwölf Farne in Farbe auf die Leinwand gebannt.
Ich finde die Pflanzen schön.
Unverwüstlich.
Im Winter sehen sie aus wie tot,
im Sommer winken sie über den Beeten.
Ein Deutscher las von meiner Sonntagsmalerei,
kam, sah und fragte,
ob er mein Gepinsel ausstellen dürfte.
Alles wurde verkauft,
ich selbst hab kein einziges mehr.
Prima!
Kann im Herbst meines Lebens
wieder was anderes malen.

Herman van Veen
Signature d’automne
Herbst Handschrift

Zu sehn vom 6. Dezember bis zum 3. Januar in der
Galerie De Fabriek
Ermerweg 88
7812 BG Emmen
Tel: 0591 652 970
Niederlande

Geöffnet: Mittwoch, Samstag und Sonntag von 14.00 – 17.00 Uhr.
Am Sonntag, dem 24. und am Sonntag, dem 31. Dezember von 13.30 – 16.00. 









 
                                                                                                           
Bij ons thuis
 

Bahn frei für den Eisvogel

Einen Eisvogel zu sehen und zu hören, ist für Herman und für uns fast alltäglich. Nichts anderes als ein Rotkehlchen oder eine Kohlmeise zu sehen. Die normalste Sache der Welt….doch das stimmt nicht ganz!! Viele Vögel werden von uns wahrgenommen, aber wenn wir einen Eisvogel hören und dann sehen, bleiben wir jedesmal einen Moment stehen. Nicht wegen seines hastigen Trillerpfeifens, sondern wegen seiner auffallenden Erscheinung. Wir haben ihn schon oft bewundern dürfen. Mit seiner knall-orangenen Vorderseite und seiner blauglitzernden Rückseite ist er von zig Metern Entfernung zu erkennen. Er ist ein gedrungener Vogel mit einem Schnabel, der für den kleinen Körper viel zu lang wirkt, aber ideal zum Fangen von Fischen ist. Neulich hörten wir ihn von weitem laut zwitschernd ankommen, und dann setzte er sich auf den gewohnten Fleck am Rand des Teiches mit einem Fisch im Schnabel. Den Schnabel voll haben und gleichzeitig zwitschern können - das muss ihm erst mal einer nachmachen! Blauer Blitz nennen wir ihn auch, denn er kommt tatsächlich in einem blitzenden Strahl vorbei. Wenn Vögel wie Flugzeuge eine Rauchwolke hinterlassen würden, dann würde man die straffe Linie des Eisvogels gleich identifizieren können. Es wurde sogar für ihn eine spezielle Bahn angelegt in der Nähe des Eisenbahnwaldes.
Diese Eisvogelbahn wurde neulich gesäubert, denn sie war als solche nicht mehr zu erkennen. Durch die Bäume sahen wir die Bahn nicht mehr. Der Boden und die steile Böschung waren total zugewachsen durch Schilf, Weiden und Erlen. Und gerade die steile Wand ist für den Eisvogel von Bedeutung. Er brütet da in einer selbstgegrabenen Höhle, vorausgesetzt, er hat genügend Zugang.. Der Wasserstand in diesem “Graben” ändert sich ständig, und das lässt die Vegetation ins Kraut schießen. Es ist daher für den Eisvogel wichtig, dass dort von Zeit zu Zeit sauber gemacht wird.
Lieber einen Eisvogel aus der Wand als zehn Weiden auf dem Land…
Mit der Hand war da nichts zu machen, und deshalb war ein kleiner Bagger zum Beseitigen der Gewächse im Gange, mit dem Ergebnis, dass der Wald plötzlich am Uferrand stand. Mit dem Traktor haben wir dann alle Bäume mit nassem Wurzelballen an eine andere Stelle auf dem Gelände umgepflanzt. Die Eisvogelbahn ist für die nächste Brutsaison wieder frei zugänglich. Jetzt hoffen wir nur noch, dass “unser” Eisvogel einen Partner findet, und dass der kommende Winter nicht all zu streng werden wird, denn seinem Namen zum Trotz ist der Eisvogel sehr kälteempfindlich. Ich hab mir darum für ihn einen zweiten Namen ausgedacht, der angesichts seiner mangelnden Winterhärte besser zu ihm passt: “Softeisvogel”.




Martine
Montag, 6. November 2006
                                                                                                                                  
Heute proben wir “Chopin
Chanson de Daniël”
mit Truus te Selle,
Lilja Hermannsdóttir
und Frédérik Steenbrink.
Das Musiktheaterstück,
dass ich anlässlich
eines Mannes schrieb,
die ich mal Paris
kennengelernt hab.
Nachts in der Bar eines Hotels.
Dort erzählte er,
angeschlagen von Kummer und Alkohol,
dass er ein “Anderer” wäre.
Dass er nicht der Mann wäre,
neben dem ich saß.
Dass er eigentlich Frédéric Chopin wäre.
Ich hab mit ihm lange
über Mozart geredet,
vor allem über sein Requiem.

‘Chopin’ erzählte mir,
dass er bei der Umbettung
von Napoleon Bonaparte
gewesen wäre.
Da hätte er zum ersten Mal
das phänomenale Requiem gehört.

Um ein Uhr oder drei
kam ein besorgter
junger Mann herein.
Er ging zu uns.
“Ach hier sind Sie,
Herr Dubois.
Wir machten uns schon Sorgen.
Wir müssen ganz schnell nach Hause gehn!”
Dabei zwinkerte er mir zu.
“Hat er Sie genervt?”
“Im Gegenteil, wir haben
über Mozart geplaudert.”
“Wer war er heute Abend?”
“Frédéric Chopin.”
“Dann haben Sie Glück gehabt.
Manchmal ist er Julius Caesar.
Bon soir.”

Auch wenn wir vorwärts leben,
die Geschichte meines Chopins
wird rückwärts erzählt.
Weil sie nur so verstanden
werden kann.
Wir proben in Baarn
in der Speeldoos.
Dass taten wir unter anderem
auch für “Mata Hari”.
Hierrauf lag offensichtlich ein Segen,
denn diese Vorstellung,
das sage ich nicht ohne Stolz,
wird momentan
in Paris gespielt.
Und bislang
von der französischen Presse bejubelt.
Mann, das tut richtig gut!
“Gaëtane Bouchez,
Wendel Spier,
Martine de Kok
und Silke Mehler
sind eine Lust für Aug und Ohr.
Nicht versäumen -
dieses großartige Stück”,
schrieb der “Figaro”.

Der Herbst wird dieses Jahr offensichtlich
vom Wettergott überschlagen.
Besorgnis erregend.
Die Störche treffen
keine Anstalten,
wegzufliegen.
Die Frösche müssen Angst haben.
Einige Bäume haben
mit allen Blättern
wieder Knospen.
Es herrscht ein Betrieb
auf den Zweigen.
Wespen sind noch beschäftigt.
Der Boden ist knochentrocken.
Nur die Oberfläche
ist matschig.

Ich sah im Fernsehen die “Debatte”
zwischen Bos und Balkenende.
Erbärmliche taube Nüsse.
Meine Nachbarin
hält Bos für einen Möchtegern-Yuppie
und Balkenende im Grunde
für einen Notar.
Ich teile diese Meinung.
Zaudernde Rhetoriker,
die sich wie Spatzen
gegenseitig die Körner wegpicken.
Taub
für Argumente des anderen.
Moet gezegd
dass auch der Mann, der die Fragen stellte,
das nicht sonderlich clever machte.
Auf jede Frage, die er stellte,
wusste er schon die Antwort.
Was soll dann die Frage?
Wir sind doch nicht blöd.
Es ist Theater
mit einem mehr als
bedenklichen Niveau.
Unterbrochen
von dramaturgisch fataler Werbung,
so dass die Herren
immer wieder
nachdenken konnten.
Meine Wahlempfehlung wäre:
entscheide dich für die Partei,
die buchstäblich
die Sorge für Kinder
und die Natur
als Hauptsache ansieht.
Denn schließlich,
geht es dem Land und der Welt gut,
wenn es den Kindern auf der Erde gut geht,
.

Letzte Woche
haben wir ein Buch mit CD
präsentiert.
“Woorden op mijn zang”.
Meiner lieben Franka Daels
gewidmet,
die in diesem Sommer
an Krebs starb.
Hab’s noch immer nicht verwunden.
Das Buch mit CD
bekam ich überreicht
von Liselore Gerritsen.
Sie sang und schrieb
das Erste
von dem, was eine Serie werden muss.
Wenn es Krieg wird,
möchte ich bei ihr untertauchen.
Ich wiederum
gab ein Buch mit CD
Paul van Vliet,
meinem großen
grauen Bruder.
Es war seltsam,
mit Edith
zu singen und zu spielen
und dabei zu wissen,
dass Erik im Saal saß.
Das passiert nicht oft.
Am Tag danach
ein kleines Konzert
bei Broese,
einem großen Buchladen
in Utrecht.
Neben dem Rathaus,
wo ich einst getraut wurde.
In der Nähe von Bloems Weinkeller,
wo wir debütierten.
Gegenüber dem Studiokino,
wo Erik und ich
seinerzeit während
der Russischen Woche spielten.
In einem Augenblick
konnte ich zwischen den Büchern
45 Jahre überblicken.
Ich hoffe, dass es nie
zu Ende geht.






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Mittwoch, 25. Oktober 2006

Am 24. Oktober 1945
wurden die Vereinten Nationen gegründet.
Es gab damals
51 Mitgliedsländer.
Sie wollten sich
durch internationale Zusammenarbeit
und kollektive Sicherheit
für den Frieden einsetzen.
Jetzt sind fast
alle Länder der Welt
(191)
Mitglied der UN.

Die Vereinten Nationen
haben vier Zielsetzungen:
- die Förderung von internationalem Frieden und Sicherheit;
- die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Nationen;
- Zusammenarbeit bei der Lösung von internationalen Problemen;
- die Förderung der Einhaltung der Menschrechte.

Und dazu gehören
die Rechte des Kindes,
die weltweit
mit Füßen getreten werden.
Wenn Kinder Rechte haben,
weil sie nicht für sich selbst eintreten können,
dann haben wir Erwachsenen Pflichten,
und die
erfüllen wir nicht.

Die Rechte sind aufgeschrieben.
Die Pflichten nicht.
Geschweige denn Sanktionen.

Glauben Sie mir.
Wenn es den Kindern gut geht,
dann geht es der Welt endlich gut.

Dienstag, 10. Oktober 2006
Auf dem Weg liegen unwahrscheinlich viele Eicheln.
Das, was an Regen zu wenig gefallen ist,
hat der Wind auf diese Weise
kompensiert.
Farne, die längst schon beim Wintersport hätten sein müssen,
stehen da, als hätten wir Juli.
Kastanien sind braun von der Sonne.
Es ist seltsam.
Vorhersehbar, aber eigenartig.
So sind auch die Nachrichten hier in Europa.
Auf den Titelseiten Meldungen vom Sport,
politischen Manipulationen,
einem Mädchen, das verschwunden ist,
einem Mädchen, das gefunden wurde,
Soaps,
den Gängen etlicher Könige
und die Wetterberichte.
Ganz anders ist es in Südafrika.
Jeden Tag in der Zeitung
Berichte von Überfällen,
Vergewaltigungen,
Aids-Toten,
der Geburt eines Elefantenzwillings.
Verwirrend.
Ich hab mir sagen lassen,
dass allein in Südafrika
fünfzig Morde pro Tag begangen werden,
vierzig Vergewaltigungen pro Tag,
dass an einigen Tagen fünfzehnhundert Menschen an Aids sterben.
In einem Land, das paradiesisch schön ist.
Ich hab ein großes Stück meines Herzens
im unbeschreiblichen Süden verloren.

We waren in Barendrecht.
Ein herrlicher Abend, auch, weil wir
wieder mal Felix de Messenmaker sahen.
Er war bei uns jahrelang ein liebevoller Bühnenmeister.
Hat seinen Weg nun als Cheftechniker
in diesem freundlichen Städtchen gefunden.
Komisch, wie vertraut man dann wieder mit einander ist.
Dass passiert einem manchmal auch,
wenn man einen Schulkameraden trifft.
Dann sitzt man wieder zusammen und quatscht,
als sei man kein Opa geworden.

War Sonntag bei Utrecht gegen Ajax.
Hab wieder nach dem Ende das Spiel
mit der anmutigen Frau des Trainers analysiert.
Das gelingt uns gemeinsam am besten.
Es wird beim FC Utrecht mehr Fußball gespielt als im letzten Jahr.
Ich gehe davon aus, dass sie um den fünften oder sechsten Platz spielen werden.
Ich hätte nichts dagegen.
Hoffe, dass sie mich regelmäßig einladen.
Genoss es buchstäblich in vollen Zügen.
Genehmigte mir schon um 12 Uhr den ersten Klaren.,
griff um 19 Uhr zu Fleischklößchen,
den Käsessoufflés und den Kroketten.
Unterhielt mich auch mit dem von mir bewunderten
Piet Keizer.
Immer noch ein ganz toller Typ.
Sein einziges Problem an diesem Mittag war,
dass ich ein Utrecht-Fan bin.
Natürlich haben wir auch über die niederländische Nationalmannschaft geredet
und ihren Trainer van Basten.
Ich hab schon früher mal darüber geschrieben.
Ich schätze ihn sehr.
Aber ich war und bin der Meinung,
dass diesem Team nicht das Talent fehlt,
sondern dem Trainer die Erfahrung.
Ideal wäre ein Kombination aus
van Basten – Foppe de Haan gewesen.
Für einen objektiven, nicht durch Fachwissen verblödeten Fußballfan
ist es doch total unbegreiflich,
dass bei der Aufstellung unserer Nationalmannschaft Davids, Seedorf, van Nistelrooij,  van Bommel und Makaay nicht mal auf der Bank sitzen.
Für die Tatsache, dass van Bommel und van Nistelrooij bei diesem Trainer nicht spielen wollen, hab ich kein Verständnis.
Sie sagen nein zu einer Nation.
Sie sagen also auch nein zu uns Fußball-Patrioten.


Theo, danke für die freundlichen Worte
über die Weblogs.
Sie machen mir viel Spaß.
Ich hab nur ein chronisches Zeitproblem.
Würde am liebsten jeden Tag ein paar schreiben.

Wünsche allen Mitarbeitern von Mata Hari für den kommenden Sonntag
das aller-, allerbeste.
Schöne Zeit, viel Publikum, faire Presse.
Fantastisch, dass es soweit geglückt ist.

Es werden wieder fünf große weiße Leinwände reingeschleppt.
Darauf werde ich malen und das in Emmen ausstellen.
Einen Monat lang in der Fabrik
von Geert Hoving und den Seinen.
Den ganzen Dezember.
Edith und ich werden am 3. Dezember die Ausstellung stimmlich eröffnen.


Das wär’s.
Ich stürze mich wieder
in den Herbst.