Fragen Sie mich: "Was ist ein Niederländer?“,
dann kann ich das nicht beantworten.
Das kommt daher, weil ich selbst einer bin.
Nur ein Ausländer könnte etwas über meine Art sagen.
Ganz einfach, weil er anders ist.
Ein nicht verwandter, schon verstorbener niederländischer Schriftsteller hielt,
so las ich,
einst einen Vortrag über den Schweizer Volkscharakter in Hinterschmidrütti,
nicht weit von Zürich.
Er wusste mehr von den Schweizern als die Schweizer über sich selbst.
Dass er Recht hatte, wurde dadurch bewiesen,
dass er am Ende seiner Rede von seinen Zuhörern
von einem Berg in eine Schlucht geworfen wurde.
Gleiches geschah auch dem deutschen Philosophen Heinrich Kopfstein,
der einst nach Amsterdam eingeladen worden war,
um vor Historikern über die Niederländer zu sprechen.
Er wurde nach seiner Rede in die Amstel geworfen
und ward dann nie wieder gesehen.
Ich denke gerade an den Lieblingsspruch meines Vaters:
"Hier ruht Jan. Er kam von rechts. Er hatte Recht."
Es gab noch nie einen niederländischen ‚Demagogen’,
weil man an gemeinschaftliche Gefühle
nicht appellieren konnte.
Eine solche Figur hätte in der jüngsten Vergangenheit
lediglich in lauter erstaunte Gesichter
predigen können.
Die Menschen hätten sich nur gefragt:
"Wie kommt der Mann dazu, an meiner Stelle zu stehen?
Unsere Realität ist seit den jüngsten Wahlen in den Niederlanden
tatsächlich anders geworden.
Wir sind zu einem entscheidenden Teil nicht mehr wir selbst.
Unangenehm überrascht, weil anhaltender Nieselregen
scheinbar die Sicht von vielen vernebelt hat.
Sind viele von uns Niederländern jetzt anders geworden?
Kann ich jetzt etwas über unsere Wesensart sagen?