
Morgen ist Dienstag.
Heute Nacht hat es geregnet.
Der kleine französische Ort
erwachte aufgefrischt.
Sitze seit dem frühen Morgen
auf einer Terrasse
mit warmen Croissants und Kaffee.
Der Mann neben mir
in seiner blauen Latzhose
bestellt einen zweiten Pastis de Marseille.
45 % Alkohol.
Es ist 9 Uhr am Morgen.
Ich blättere durch die 'Paris Match',
sehe fürchterliche Fotos von einem Protestmarsch
gegen das Wahlergebnis im Iran.
Männer schlagen mit Knüppeln
auf die Demonstranten ein.
Nach dem Grün der Hoffnung das Blut der Unterdrückung.
Verschleierte Frauen
stürmen gegen die Polizisten an,

um ihre Söhne vor den Schlägen zu bewahren.
Ein mittelalterlich erscheinendes Foto
von einem grimmig dreinschauenden Ajatollah Ali Khamenei.
Erinnere mich an ein Stück von einem, wie man sagt,
viel zu früh verstorbenen flämischen Freund,
Frans 'Sus' Verleyen.
Auf seinem Grabstein steht:
"Das Beste ist es,
das Rätsel zu vergrößern."
Sein Artikel, den er, so meine ich, 1980 schrieb,
beschreibt seinen Besuch beim Schah von Persien.
Eine Unterhaltung, die er nur widerwillig einging.
Hätte ja doch keinen Sinn, den wahrscheinlich
ausschließlich zeremoniellen Worten eines Alleinherrschers zu folgen,
einem, der seinen Rivalen erschießen ließ.
Es sah so aus, als wäre er einem Vorurteil erlegen.
Der Schah war eine Persönlichkeit,
der man sich nicht entziehen konnte.
Er legte famose Ideen dar
über Pipelines, Verbindungen mit der transsibirischen Eisenbahn,
erzwungene Alphabetisierung, schnelle Brutreaktoren,

petrochemische Technologie.
Der Freund verließ den Palast ziemlich durcheinander.
Aufgrund der Begegnung mit einem Cäsar.
Einem neuen Mustafa Kemal Pasha Atatürk.
Einem Monarchen, der Frauen lieber ohne schwarzen Schleier,
aber stattdessen in einem Skianzug
oder im Bikini am Strand bekleidet gesehen hätte.
Der König ist tot…